Die Uniformen der französischen Armee unter Napoleon I. (1800 - 1815) - Die Infanterie - Die Leichte Infanterie
Die französische Infanterie gliederte sich in die Regimenter der Linie und die Regimenter der Leichten Infanterie.
Zu Beginn des Kaiserreiches existierten 26 Regimenter an Leichter Infanterie, allerdings verlief die Nummerierung bis zur Nr. 31, 5 Nummern waren folglich nicht besetzt.
Es folgten weitere Neuerrichtungen.
1814 existierten 35 entsprechende Einheiten. Die Nummerung lief aber bis Nr. 37.
Die Zusammensetzung der Regimenter der Leichten Infanterie entsprach der der Linien-Infanterie.
Die Regimenter zählten neben dem Stab fünf Bataillone.
Die ersten vier Bataillone zählten jeweils sechs Kompanien.
Das fünfte Bataillon war ein Depot-Bataillon. Dieses umfasste nur vier Kompanien.
Laut Rogers (Die Armee Napoleons, S. 99) zählte ein Infanterie-Regiment 108 Offiziere und 3862 Unteroffiziere und Mannschaften. Jedes Bataillon hatte vier Sappeure.Sie wurden aus der Grenadier-(Karabinier-)-Kompanie ausgewählt und gehörten auch weiter zu dieser Kompanie. Ihr äußeres Kennzeichen war die weiße (mitunter auch schwarze) Lederschürze und die mit geführte Axt.
Der taktische Einsatz der Leichten Infanterie unterschied sich grundsätzlich nicht von dem der Linien-Infanterie.
Die Uniform der Leichten Infanterie entsprach im Schnitt der der Linien-Infanterie.
Die besondere Uniform wurde im Jahre 1793 eingeführt.
Zunächst war die Rockjacke mit langen Schößen üblich, ab 1812 (07.02.) wurde der Schnitt allgemein geändert, nun wurde ein geschlossener Rock (habit-veste) mit gerade herunter laufenden Rabatten und kurzen Schößen üblich.
Die Bewaffnung und Ausrüstung der Leichten Infanterie unterschied sich nicht von der der Linien-Infanterie.
Der kurze Säbel wurde im Jahre 1807 abgeschafft, was aber offenbar in der Praxis nicht wirklich beachtet wurde (laut Knötel kamen die Säbel mit den Säbelgehenke in der späteren Periode ab). Auch bei den Elite-Kompanien gab es später einen Mangel an Säbeln.
Er wurde häufig mit einer grünen Säbeltroddel getragen.
Auf dem Deckel der schwarzen Patronentasche war ein Jagdhorn angebracht.
Im Felde waren auch Deckelüberzüge (darauf dann das metallene Jagdhorn) üblich.
Das Lederzeug war generell weiß
Die Uniform bestand aus einem blauen Rock (Rockjacke), auch die spitz zulaufenden Rabatten waren dunkelblau. Diese Farbe hatten auch die Ärmelaufschläge und die Schoßumschläge.
Die Vorstöße dieser Uniformteile waren jeweils weiß.
Die Patten der Ärmelaufschläge waren rot.
In den Schoßumschlägen befanden sich (unechte) Taschen, ebenfalls mit einem weißen Vorstoß.
Ebenso waren die Knöpfe zunächst gelb und dann weiß.
Darunter wurde eine blaue Weste getragen.
Die Beinkleider waren in der Regel auch blau, doch kamen aufgrund von Ausrüstungsmangel insbesondere im Feldzug des Jahres 1815 alle möglichen Farben vor.
Die blauen Hosen waren mitunter weiß oder gelb betresst, bei Offizieren waren es silberne Tressen.
Dazu wurden kurze (schwarze) Gamaschen getragen.
Letztere waren grün bordiert mit einem eben solchen Bommel. Es sind aber auch Abbildungen mit einem weißen Besatz der Gamaschen überliefert.
Die leichte Infanterie wies drei Gattungen auf: Jäger, Karabiniers und die Voltigeure.
Diese unterschieden sich durch bestimmte Uniformmerkmale, vor allem durch die Farbe des Kragens, der Epauletten, des Stutzes und des Tschakobehanges.
Auch der Zierrat (z. B. Jagdhörner aus Stoff) der Schoßumschläge war unterschiedlich.
Grundsätzlich war für die Karabiniers die Farbe rot charakteristisch, für die Voltigeurs gelb und grün und für die Jäger gelb, grün und rot.
Jäger
Der rote Kragen war weiß vorgestoßen.
Die grünen Epauletten hatten rote Halbmonde.
Eigentlich sollten die Jäger blaue Schulterklappen mit einem weißen Vorstoß tragen.
In den Schoßumschlägen befanden sich weiße (Jagd-) Hörner.
Karabiniers
Die Karabiniers trugen die Uniformmerkmale der Grenadiere.
Der rote Kragen erhielt im Jahre 1812 blaue Vorstöße.
Die Epauletten waren rot.
Die Schoßumschläge wurden durch rote Granaten geschmückt.
Der Tschako der Karabiniers hatte einen roten Bortenbesatz.
Die Rosetten der Sturmriemen bzw. Schuppenketten zeigten eine Granate.
Die Karabiniers einiger Regimenter hatten auch - teilweise schon seit dem Konsulat - Pelzmützen ohne Beschlag (laut Knötel selbst noch 1813).
Voltigeure
Der gelbe Kragen hatte rote oder blaue Vorstöße.
Mitunter werden auch gelbe Patten der Ärmelaufschläge gezeigt.
Die Schoßumschläge schmückten weiße oder gelbe (Jagd-) Hörner.
Die Epauletten gab es aber auch Varianten in gelb, grün oder mitunter rot..
Der Federbusch war grün-gelb oder rot-gelb.
Voltigeure werden selten mit einer Pelzmütze (mit gelben Mützensack) gezeigt.
Der Tschako und die Pelzmütze
Die Leichte Infanterie erhielt als erste Waffengattung den Tschako aus Filz mit Leder. Dieser wurde ab 1804 eingeführt und hatte einen spanischen Ursprung.
Der Augenschirm war beweglich und abnehmbar.
Der Tschakobeschlag bestand in der frühen Zeit aus einem Jagdhorn aus Metall.
Teilweise sind aber aus der frühen Periode auch Abbildungen des Tschakos ohne Zierrat und Kokarde übermittelt.
Später wurde eine rautenförmige Metallplatte eingeführt, der unter dem kaiserlichen gekrönten Adler ein Jagdhorn zeigte. Die Platte bestand aus blankem Metall.
Die Kokarde wurde zunächst links getragen.
Ferner schmückte den Tschako eine grüne Schnur, die in zwei geflochtenen Platten und Quasten endete..
Bei den Jägern war der Federstutz am Tschako grün.
Die Karabiniers führten am Tschako einen roten Stutz.
Die Voltigeure hatten grüne und oder gelbe Federstutze.
Die Federbüsche konnte unterschiedliche Formen haben.
Auch der Tschakobehang war unterschiedlich, bei den Jäger weiß, bei den Voltigeuren rot, gelb oder grün.
Ab 1806 wurde der Tschako mit einem Sturmriemen (auch mit metallenen Schuppen) ausgestattet.
In der Praxis wurde aber gerade die Kopfbedeckung in verschiedenen Variationen getragen, z. B. werden auch von Rousselot oder Knötel auch ein roter Tschako (1809) gezeigt.
Im Felde war ein Wachstuchüberzug üblich. Der Tschako wurde dann auch ohne Behang getragen.
Die Karabiniers hatten einen roten Tschakobehang.
Letztere trugen auch häufig Pelzmützen. (mit weißem oder roten Behang und rotem Stutz). Auch für die Voltigeure belegen einzelne Quellen das Tragen von Pelzmützen (tlw. mit gelben Mützensack).
1. ème Léger. 1813-14. Originale Aquarelle von Henri Boisselier.
Leichte Infanteristen in den Feldzügen in Spanien ab 1809. Originale Zeichnungen von Henri Boisselier. Scans zur Verfügung gestellt von Fabrice Delamare.
Offiziere
Laut Funcken trugen die Offiziere stets einen langen (blauen) Rock.
Die Knöpfe waren aber silbern.
Im Felde wurde auf oft ein einfacher einreihiger (blauer) Rock (Surtout = Marschfrack) getragen.
Der Ringkragen war golden mit silbernen Aufsatz. Der aufgesetzte Schmuck war unterschiedlich, z. B. ein Jagdhorn oder die Regimentsnummer oder ein Adler. Bei den Karabiniers war es ggfls. eine Granate.
Auch der Tschako entsprach dem Modell der Mannschaften, hatte aber einen silbernen Schmuck. Ferner war auch eine obere silberne gestickte Borte (Girlande mit Lorbeerblättern auf einem Samtband) üblich.
Die Kokarde war vorn platziert, ebenso der Federbusch.
Im Felde wurde auch häufig der Hut (Zweispitz) getragen.
Knötel berichtet, dass mitunter auch Pelzmützen von den Offizieren der Jäger-Kompanien getragen wurden.
Die Hosen waren mitunter silbern betresst.
Als Schuhzeug dienten beim Dienst zu Fuß kurze Stiefel (vorn herzförmig eingeschnitten, silbern betresst), zu Pferd wurden Reitstiefel getragen.
Die Bewaffnung war ein Degen oder Säbel mit einem silbernen oder goldenen Griff nebst Lederscheide. Laut Rousselot war das Koppel (Leder) zumeist grün.
Musiker
Zu einem Infanterie-Regiment gehörten zu dessen Stab ein Tambour-Major, ein Tambour-Unteroffizier und 8 Musiker (darunter 1 Zugführer).
Die Musiker trugen - insbesondere die Kolonnenspitzen - regelmäßig prachtvolle Uniformen.
Häufig wurden auch Uniformen in gewechselten Farben getragen.
So trugen z. B. die Musiker des 15. Rgt. der Leichten Infanterie (1805 - 07) Röcke von roter Grundfarbe mit grünem Kragen und Rabatten und eben solchen Schoßumschlägen, auch die Weste und die Beinkleider waren grün. Alles mit weißem Besatz (siehe auch weiter die Abb. zum 16. ème Léger um 1810). Für den Zeitraum 1807 - 09 blieben die Röcke rot, aber nun waren die Rabatten, die Ärmelaufschläge und die Schoßumschläge blau. Alles weiß vorgestoßen.
Die Musiker des 17. der Leichten Infanterie trugen gelbe Röcke mit rotem Kragen, Rabatten, Ärmel- und Schoßumschlägen. Alles weiß vorgestoßen. Die Weste und die Beinkleider waren hellblau mit weißem Besatz. Dazu wurde als Kopfbedeckung eine Tschapka (gelb, rot vorgestoßen) . Die Weste wies dichte Verschnürung auf. Die Federbüsche waren unten grün und oben weiß.
Die Leichte Infanterie hatte zunächst keine Trommler, sondern nur Hornisten.
Die Röcke der Tamboure waren regelmäßig mit bunten Borten geschmückt.
Quellen
Cdt. Bucquoy, Les Uniformes du Premier Empire, L`Infanterie, Paris1979.
Liliane und Fred Funcken, Historische Uniformen. Napoleonische Zeit, 2. Bd., München 1978.
Philipp Haythornthwaite/ Michael Chapell, Uniformen des Napoleonischen Rußlandfeldzugs, München 1977.
Philipp Haythornthwaite, Die Uniformen der Schlacht von Waterloo, München 1976.
Knötel/ Sieg, Handbuch der Uniformkunde, Hamburg 1937.
Paul Martin, Die französische Armee 1789 - 1807, Stuttgart.
Lucien Rousselot, Napoleons Armee 1800 - 1815, Berlin 2010.
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