Die Uniformen der französischen Armee unter Napoleon I. (1800 - 1815) - Artillerie- und Genietruppe

Artillerist zu Fuß um 1806. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Als Artillerie wird die Waffengattung bezeichnet, welche Geschütze mit großem Kaliber einsetzt.

Napoleon war ausgebildeter Artillerist und stand dieser Waffengattung Zeit seines Lebens sehr nahe.

Der zentrierte Einsatz großer Batterien war ein wesentliches Element seiner Schlachtentaktik.

Napoleon richtet in der Schlacht von Montereau am 18.02.1814 selbst ein Geschütz ein. Nach einem Stahlstich von Blanchard.

Die Zahl der Geschütze nahm in den Napoleonischen Kriege ständig zu.

Miguel Ángel Martin Más (La Grande Armée. Die Geschichte der Armee Napoleons, Berlin, S. 83) weist darauf hin, dass bei Austerlitz (1805) noch 2 Kanonen auf 1000 Soldaten kamen, bei Wagram (1809) war das Verhältnis bereits auf vier Kanonen auf 1000 Soldaten angewachsen.

Bei Borodino (1812) verfügten die Franzosen über 587 Geschützen (die Russen: 640 Geschütze). Bei Waterloo (1815) waren es 350 Geschütze.

Kanonier vor Geschütz. Originaler kolorierter Kupferstich aus einer zeitgenössischen Bilderserie (Martinet).

Der bekannte britische Militärhistoriker David Chandler beschreibt (Napoleon, München 1973, S. 175 ff.) den Werdegang der französischen Artillerie in der napoleonischen Epoche wie folgt:

"Die Artillerie war in zwei Haupttypen unterteilt: Reitende und Fuß-Artillerie. Die Stärke der in Kompanien (oder Batterien) zu je 8 Kanonen und Haubitzen untergliederten berittenen Artillerie nahm rasch zu. 1800 gab es 8 Regimenter Fußartillerie gegenüber 6 berittenen, und die Zahl stieg noch ein wenig an, obwohl die übliche Praxis so aussah, dass mann neue Batterien für schon bestehende Regimenter schuf, statt neue Regimenter aufzustellen. Mit den Artilleriekompanien waren die pontonniers oder Brpückenbauzüge und Bataillone der Artillerietraineinheiten (8 im Jahr 1800) zusammengeschlossen. 1805 besaß Frankreich insgesamt mehr als 20000 Kanonen, Haubitzen und Mörser, und 1813 zählte das Artilleriepersonal 103000 Mann. Zur Artilelrietaktik gehörten schnelles Feuern (bis zu fünf Salven in der Minute) und das allmählich Vorrücken bis auf Sichtweite an den Gegner heran. Die schwereren Geschütze - Zwölfpfünder - waren seit 1806 häufig zu großen Batterien zusammengefasst, und als die Qaulität der französischen Infanterie nachließ, wurden auf Regiments- und Divisionsebene mehr Geschütze eingesetzt. Einheiten der berittenen Artillerie und der Artillerie volante (leichte Feldgeschütze) gehörten zusammen mit einer Anzahl Zwölfpfünder regelmäßig der Armeereserve unter der persönlichen Kontrolle Napoleons zum Einsatz für Sonderaufgaben an. Zu den erfahrensten Artilleriegeneralen zählten - nach dem Kaiser persönlich - Marmont und Drouot. Die Kanonen verschossen Kugeln oder Kartätschen, während die Haubitzen Granaten wie Kartätschen feuerten und die (hauptsächlich gegen Gebäude eingesetzten) Mörser mit Bomben schossen. Natürlich gab es außerdem schwere Festungsgeschütze, die jedoch niemals mit den Armee in den Kampf eingriffen".

Französische Batterie bei der Belagerung von Frankfurt am 23.10.1792. Ausschnitt aus einer Lithographie aus dem 19. Jhdt.

Der ebenso bekannte britische Militärhistoriker Christopher Duffy beschreibt (Die Schlacht bei Austerlitz, München 1979, S. 28 ff.) den Zustand der französischen Zustand der französischen Artillerie um 1805 wie folgt:

Napoleon begann seine militärische Karriere als Artillerist, und sein Ruf als Taktiker beruhte vor allem auf dem Gebrauch, den er von seiner gewaltigen Artillerie machte. Diese bestand aus einer Standardpalette von 4-, 8- und 12-Pfünder-Kanonen sowie aus 15,2 cm und 20,3 cm - Haubitzen. Die neue 6-Pfünder-Kanone war 1805 noch immer eine Rarität. Einige Jahre zuvor hatte General Marmont diese Waffengattung auf beeindruckende Weise reorganisiert und er hatte durch Militarisierung der Fahrer die Mannschaftsstärke des Korps auf nicht weniger als 38000 Mann gebracht. Jede aus acht bis zwölf Geschützen bestehende Batterie erhielt eine Kanonier-Kompanie zugewiesen. In jedem der acht Fuß-Artillerieregimenter gab es 22 solcher Kompanien und sechs in jedem der sechs Regimenter reitender Artillerie.

Die Batterien ihrerseits wurden so zugeteilt, dass eine starke Feuerkonzentration dabei erreicht wurde. Die Mehrzahl der leichten Geschütze fasste man zu Divisionsreserven zusammen, während ein Teil der reitenden Artillerie und die sehr wirkungsvollen 12-Pfünder für die Korpsreserven und die Reserve der Armee bestimmt waren und daher zur unmittelbaren Verfügung der Befehlshaber standen. Wie wir noch sehen werden, war es das rechtzeitige Eingreifen von sechs 12-Pfündern aus der Reserve des IV. Korps, das dem Verlauf der Schlacht auf den Pratzen-Höhen bei Austerlitz die entscheidende Wendung gab".

Angehörige der Artillerie. Links: Musiker, mittig: Artillerist zu Pferde und rechts: Artillerist zu Fuß. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Zur Vorgeschichte und Entwicklung der französischen Artillerie schreibt B. P. Hughes (Feuerwaffen. Einsatz und Wirkung 1630 - 1800, Thun 1980, S. 15) rückblickend: "Während des 18. Jahrhunderts wurde die französische Artillerie stark verbessert. 1732 vereinheitlichte General Valliére alle französischen Geschütze, bezog die Lafetten aber nicht mit ein. Damals war der Einsatz der Haubitze in der französischen Armee noch sehr begrenzt. Eine noch weitergehende Reformierung wurde 1767 durch General Gribeauval vorgenommen. Das nach ihm benannte System vereinheitlichte und vereinfachte die Artillerieausrüstung, einschließlich Lafetten und Munitionswagen. Die Artillerie als ganzes wurde von Gribeauvals Reorganisation erfasst. Die napoleonischen Armeen verfügten auf diese Weise über erstklassiges Material. Die doppelten Lafettenschwänze dieser Geschütze waren kürzer und leichter, was zur Folge hatte, dass es einem Geschützkommandanten möglich war, die Kanone mit zwei Hebeln allein in Stellung zu bringen".

Kanonier der Artillerie zu Fuß im Mantel. 1813. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Die Kompanie der Fußartillerie zählte 120 Mann, und zwar 1 Offizier, 10 Unteroffiziere und 106 Mannschaften.

Bei der berittenen Artillerie zählte die Kompanie100 Mann stark, und zwar 4 Offiziere, 10 Unteroffiziere und 86 Mannschaften. Alle Angehörige dieser Kompanie waren beritten.

Bei der Trainkompanie waren es 141 Mann, und zwar 1 Offizier, 14 Unteroffiziere und 126 Mannschaften.

Laut Funcken wurden zum Bedienen eines Geschützes - je nach Kaliber - 8 bis 15 Artilleristen.

Für die Bedienung eines 12-Pfünders waren 8 Artilleristen notwendig. Zusätzlich waren aber noch weitere Hilfskräfte erforderlich (zusammen 15 Personen).

Die Munition folgte in entsprechenden Wagen, die 48 bis 100 Kugelkartätschen und 20 bis 50 Kartätschen transportierten.

Im Kasten der Lafetten befanden sich ferner 9 bis 18 Kugelkartuschen.

Am häufigsten wurden massive Kugel eingesetzt. Die wirksame Reichweite hing vom Kaliber ab und betrug 500 bis 900 m. Das 12-Pfünder-Geschütz erzielte eine Reichweite bis 1800 m.

Laut Mikhail Arushev war der Lauf der 12-Pfünder-Kanone 2,3 Meter lang und wog 986 Kilogramm. Zusammen mit der Lafette wog dieses Geschütz fast 2 Tonnen.

Zum Schutz vor Witterungseinflüssen wurden die hölzernen Teile der Wagen, des Geschützes und die Ladekästen mit grüner Farbe gestrichen.

Kanoniere von Lille. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Uniformierung der Fußartillerie

Nach Knötel (Handbuch der Uniformkunde, S. 185) war die Uniformierung der französischen Artillerie von alters her blau mit rot. Im Jahre 1776 wurden die Rabatten blau mit roten Vorstößen. Diesem Muster folgte die Uniformierung der Artillerie auch während der Revolution und im Kaiserreich.

Vor Einführung der habit-veste (ab 1812) wurden blaue Westen unter dem langschössiegn Rock getragen.

Im Jahre 1810 wurden Tschakos eingeführt.

Im Felde waren Überzüge für den Tschako üblich.

Unteroffiziere und Mannschaften der Fußartillerie führten am Rock rote Epauletten und dunkelblaue Schulterklappen. Letztere hatten rote Vorstöße.

Den Tschako schmückte ein roter Bommel und rote Tressen (laut Haythornthwaite, Die Uniformen der Schlacht von Waterloo, S. 158) im Feldzug von 1815 nur vereinzelt. Auch der Behang war rot.

Rechts: Offizier der Fuß-Artillerie um 1810. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Uniformierung der Fußartillerie

Als Beinkleider dienten dunkelblaue Breeches und schwarze Gamaschen. Alternative wurden dunkelblaue Hosen getragen.

Als Bewaffnung dienten kurze Gewehre und Säbel.

Darstellung von verschiedenen Typen der Fußartillerie. Zeichnung des Verfassers nach verschiedenen Quellen.
Fußartilleristen und Details der Uniform, Bewaffnung und Ausrüstung. Zeichnung des Verfassers nach verschiedenen Quellen.

Die Uniformierung der reitenden Artillerie

Die reitende Artillerie trug schon ab 1792 eine blaue Husarenuniform mit roter Beschnürung, zunächst noch mit einem Raupenhelm, später mit Filzmützen und Tschakos bzw. Pelzmützen. Jeweils mit rotem Behang und Federbusch.

Auch zu dieser Zeit wurde alternativ der einreihige Surtout getragen.

Nach 1812 trug der reitende Artillerist einen blauen Westenrock mit scharlachroten Ärmelaufschlägen und Schoßumschlägen. Auch der Kragen und die Rabatten waren blau.

Die Epauletten waren rot, Knötel überliefert auf der Tafel 53 (Band XVI der Uniformkunde, Rathenow) für einen Kanonier der reitenden Artillerie Schuppenepauletten.

Die Offizieren trugen aber auch noch nach 1812 gern eine husarenähnliche Uniform mit Dolman und Pelz, aber mit goldenen Schnüren und Tressen.

Zur Ausstattung gehörte auch eine Säbeltasche - teilweise mit unterschiedlichem Schmuck - mit goldenem Besatz.

Im Felde wurde aber eine schlichtere Uniform getragen, z. B. ein Kollett mit kurzen Rockschößen oder der Surtout.

Auch die Breeches oder Überhosen waren dunkelblau oder grau.

Es wurden Reitstiefel getragen.

Die Bewaffnung war die der leichten Kavallerie.

Artillerist zu Pferde. 1796. Originale französische Lithographie aus dem 19. Jhdt.
Offizier der Artillerie zu Pferde. Originale Aquarellskizze von Henri Boisselier.

Musiker der Artillerie

Die Musiker der Artillerie trugen - wie auch bei den anderen Waffengattungen - häufig Uniformen in umgekehrten Farben. Laut Knötel war dies bei der reitenden Artillerie (Trompeter) allgemein so.

Weiter unten folgt die Abbildung eines Trompeters der reitenden Artillerie mit Tschapka. und einem Rock in vertauschten Farben.

Auch für das 9. Artillerie-Regiment zu Fuß sind Tschapkas als Kopfbedeckung übermittelt. Dazu wurden rote Röcke mit blauem Kragen, Rabatten und Ärmelaufschlägen getragen. Die Vorstöße - auch der roten Patten - waren gelb bzw. golden.

Trompeter der Artillerie zu Pferd. 1809 - 11. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Die Genietruppe

Ergänzend angesprochen werden müssen an dieser Stelle noch die Pontoniere und Pioniere bzw. Mineure.

Sie waren Spezialtruppen.

Seit dem Jahr 1800 existierte das Corps Imperial du Génie (bis 1814). Die Offiziere dieser Einrichtung hatten sich um militärische Bauten und auch die Instandhaltung der Festungsanlagen zu kümmern.

Die (ab 1810) zur Kaisergarde gehörige Pionier-Kompanie wurde bereits in einem gesonderten Beitrag besprochen.

Zur napoleonischen Armee gehörten 5 Bataillone an Sappeuren und 5 Kompanien an Mineuren.

Diese französischen Einheiten wurden später noch durch weitere entsprechende Einheiten ergänzt, die sich aber aus Nicht-Franzosen zusammen setzten (Holländer, Italiener, Spanier).

Ferner gab es auch noch weitere Hilfskräfte für die Instandhaltung der Festungsanlagen.

Der Pionier-Train wurde laut Funcken im Jahre 1806 gegründet.

Die Mineure waren zuständig für das Graben von Stollen für Minen bei Belagerungen, eine äußert riskante Aufgabe.

Ab 1811 wurde eine weitere Einheit geschaffen für die Herstellung und Wartung des Pioniergerätes.

Die Pontoniere existierten schon seit 1792.

Angehörige der Genietruppe (links: Soldat im Mantel, rechts Offizier. Originales Aquarell von Henri Boisselier.

Uniformiert waren sie wie die Artillerie, allerdings waren die Sappeure für ihre Arbeit in den Sappen in Feindesnähe mit einem besonderen schweren Panzer und einem schweren Helm ausgestattet. Diese Ausrüstungsteile waren schwarz gestrichen.

Die Uniform hatte insoweit eine blaue Grundfarbe, Kragen, Rabatten, Ärmelaufschläge und Patten waren aber schwarz gehalten, jeweils mit rotem Vorstoß. Die Schoßumschläge waren rot und zeigten eine blaue Granate.

Üblich war der Tschako mit rotem Besatz und Behang.

Sappeur mit Sappenpanzer und Helm. Originales Aquarell von P. A. Leroux.

Die Offiziere trugen den Zweispitz. Bei ihnen waren der Kragen, die Rabatten, die Ärmelaufschläge und die Patten aus Samt.

Das originale Aquarell zeigt u. A. Offiziere der Artillerie- und Pionierwaffe im Lauf- bzw. Annäherungsgraben.

Quellen

Cdt. Bucquoy, Les Uniformes du Premier Empire, L`Infanterie, Paris1979.

Liliane und Fred Funcken, Historische Uniformen. Napoleonische Zeit, 2. Bd., München 1978.

Philipp Haythornthwaite/ Michael Chapell, Uniformen des Napoleonischen Rußlandfeldzugs, München 1977.

Philipp Haythornthwaite, Die Uniformen der Schlacht von Waterloo, München 1976.

Knötel/ Sieg, Handbuch der Uniformkunde, Hamburg 1937.

Paul Martin, Die französische Armee 1789 - 1807, Stuttgart.

Lucien Rousselot, Napoleons Armee 1800 - 1815, Berlin 2010.

Hinweis: Hinsichtlich des Artillerie-Trains wird auf den entsprechenden separaten Beitrag verwiesen.

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